Weißbier – bayerisch spritzig!

Weizenbier – oder auch Weißbier – ist wohl das bayerischste aller Biere, seine Hochburg
liegt eindeutig in Bayern. Doch von hier aus hat es in den letzten Jahren einen beachtli-
chen Siegeszug nach Norden angetreten: nicht nur bei den Brauereien, sondern vor allem
bei den Verbrauchern. Weißbier, übrigens nicht zu verwechseln mit der „Berliner Weisse”,
hat eine bewegte Vergangenheit. Etwa sechs Millionen Hektoliter Weißbier werden heute
jährlich allein im Lebensmitteleinzelhandel und in Abholmärkten verkauft. Bischofshof
braut vier verschiedene Weißbiere: Das Hefe-Weißbier Hell, das Hefe-Weißbier Dunkel,
das Kristall-Weizen und die Leichte Weisse.

Ein Bier mit Tradition


Weizenbier war in Bayern schon in früheren Jahrhunderten beliebt. Bürgerliche und adelige
Braumeister machten sich dabei Konkurrenz. Das änderte sich schlagartig, als das bayerische
Herrscherhaus 1567 das Brauen von Weizenbier verbot. Die Begründung war fadenscheinig:
Es sei „ein unnützes Getränk, das weder führe noch nähre, noch Kraft und Macht gäbe, son-
dern nur zum Trinken reize”. In Wahrheit sollte der kostbare Weizen nicht weiter zum Bier-
brauen verwendet werden. Eine Ausnahme machte der bayerische Herzog nur beim nieder-
bayerischen Geschlecht der Degenberger. Diesem hatte Wilhelm IV., der Begründer des
Reinheitsgebotes, schon 1529 das Recht verliehen, aus Weizen Bier zu brauen.

Am 10. Juni 1602 starb Hans Sigmund von Degenberger als letzter Spross seines Geschlechts.
Da er keinen männlichen Nachkommen hinterließ, fiel sein Besitz, und damit auch das alleinige
Recht, Weizenbier zu brauen, an das bayerische Herrscherhaus unter Maximilian I. zurück. 1605
wurde in München – an dem Ort, wo heute das weltberühmte Hofbräuhaus steht – das Weisse-
Bräuhaus gegründet. Hier ließ Herzog Maximilian das Weizenbier nun selber brauen und
verkaufen.

Die bayerischen Kurfürsten als Brauherren


1623 avancierte Herzog Maximilian zum Kurfürsten. Für seinen aufwändigen Hofstaat waren
die Gewinne des Weisse-Bräuhaus unentbehrlich. Um weitere Geldquellen zu erschließen, kam
der clevere Wittelsbacher auf die Idee, Verträge mit den Münchner Wirten einzugehen. Diese
wurden verpflichtet, neben dem bürgerlichen Braunbier auch das hochherrschaftliche Weizen
auszuschenken. Gehorchten sie nicht, wurde ihnen das Wirtsrecht entzogen.

Die Nachkommen Maximilians I. hielten „aus gewichtigen Ursachen” für andere Stände das Ver-
bot aufrecht, aus Weizen Bier zu brauen. Die Herstellung von Weißbier wurde zum „Regal”: zum
wirtschaftlich nutzbaren Hoheitsrecht des bayerischen Herrscherhauses. Sehr zum Verdruss der
bürgerlichen Braunbierbrauer entstanden überall kurfürstliche Brauhäuser. Und die Untertanen
ließen sich ihr Weizenbier, das angeblich so „unnütz” war, schmecken.

Die Kunst, ein Weißbier einzuschenken


Wer als Laie schon einmal versucht hat, ein Weizen einzuschenken, weiß, dass dieses Bier ein – im
wahrsten Sinne des Wortes – überschäumendes Temperament entwickeln kann. Zunächst braucht
man die typischen Weißbiergläser, denn nur aus ihnen schmeckt es richtig gut. Sie sind hoch und
leicht geschwungen. Deshalb kann die Kohlensäure im Weizen beim Einschenken eine schöne
Schaumkrone entwickeln. Wie bei anderen Biersorten auch sollte das Glas vor dem Einschenken
mit klarem Wasser ausgespült werden. Die Flasche wird schräg zum Glas gehalten, dann das Wei-
zenbier eingeschenkt, bis die Schaumkrone den Rand erreicht hat. Anschließend wird das Bier eine
Weile stehen gelassen, bis sich der Schaum abgesetzt hat. Dann kann vorsichtig nachgegossen
werden, um die Schaumkrone zu erhalten. Auch wenn einige es für schick halten sollten: Zitronen-
scheiben haben im Weißbier nichts zu suchen. Sie verfälschen den Biergeschmack und lassen die
schönste Schaumkrone in sich zusammenfallen. Auch Salz- oder Reiskörner machen das Weizen
nicht besser. Sie sorgen nur dafür, dass die Kohlensäure schneller entweicht und das Bier schal wird.